Ein experimenteller Test von Sinn's Theorie des Wohlfahrtsstaates

Prof. Dr. Stefan Traub

Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Helmut Schmidt Universität Hamburg

 

In einflussreichen Artikeln hat Hans-Werner Sinn den Wohlfahrtsstaat als eine Versicherung charakterisiert, die es der Gesellschaft ermöglicht, die Varianz der Lebenszeiteinkommen durch umverteilende Besteuerung zu verringern. Entgegen der zuvor herrschenden Lehrbuchmeinung, dass staatliche Interventionen in das Marktgeschehen negative Verhaltensreaktionen auslösen, die zu gesamtwirtschaftlichen Nachteilen führen, liefert die Theorie des Wohlfahrtsstaates theoretische Argumente dafür, dass der Wohlfahrtsstaat die Durchschnittseinkommen erhöht. Paradoxerweise kann umverteilende Besteuerung sogar sowohl zu höheren Einkommen und als auch zu mehr (!) Ungleichheit führen. In diesem Vortrag werden die entscheidungstheoretischen Wirkungskanäle, die zu diesem überraschenden Resultat führen, erläutert und es werden die Ergebnisse eines ökonomischen Laborexperiments präsentiert, die Sinn's theoretische Vorhersagen allerdings nur teilweise bestätigen.