Politisches Entscheiden in Gruppen

PD Dr. Tanja Pritzlaff-Scheele

Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) der Universität Bremen

 

Kollektiv verbindliches Entscheiden ist die zentrale Praktik politischen Handelns. Diese herausgehobene Bedeutung des Entscheidens wird auch in zahlreichen politikwissenschaftlichen Definitionen des Politikbegriffs betont. Umso überraschender ist es, dass sich die Politikwissenschaft nur wenig mit der Frage auseinandersetzt, welche Prozesse genau ablaufen, wenn politisch entschieden wird.

 

Zudem ist in der Politikwissenschaft häufig eine Verkürzung des Entscheidungsbegriffs zu beobachten: Politisches Entscheiden vollzieht sich in der Regel nicht als individuelles Entscheiden, sondern als Entscheiden in Gruppen. Eine Entscheidung in einer Gruppe beruht auf wesentlich anderen Voraussetzungen und beinhaltet andere Abläufe als individuelles Entscheiden. Trotzdem wird häufig mit Aussagen wie „das Kabinett hat entschieden“ oder „das Gremium hat entschieden“ die Bedeutung dieser Unterschiede vernachlässigt.

 

Ziel des Vortrags ist es, unter Rückgriff auf Daten aus Laborexperimenten zu kollektivem Entscheiden und aus der videogestützten Analyse politischer Gremien die Spezifika aufzuzeigen, die kollektives Entscheiden von individuellem Entscheiden unterscheiden – sowie die Besonderheiten politischen Entscheidens. Aus diesen Besonderheiten ergeben sich Rückwirkungen auf das Verständnis des Entscheidungsbegriffs in der Politikwissenschaft.