Entscheidungen in hochkomplexen Situationen: Nur noch Coping

Prof. Dr. Uwe Schimank

Institut für Soziologie, Universität Bremen

 

 

Je wichtiger Entscheidungen sind, desto mehr wird davon gesprochen, dass man planvoll entscheiden solle, was man tut. Aber was ist, wenn die Entscheidungssituationen – egal, ob es um individuelle biographische Entscheidungen, Entscheidungen in Organisationen oder Entscheidungen politischer Gesellschaftsgestaltung geht – so komplex sind, dass nicht nur Planung, sondern sogar eine inkrementalistische „Politik der kleinen Schritte“ ausgeschlossen ist?

 

Dann beginnt, meist hinter einer Fassade von Planung, die Stunde des Coping. Die vier Ingredienzien dieser Entscheidungspraktik sind: 1. weitgehender Verzicht auf Zielfestlegungen, 2. auf Gelegenheiten warten, 3. Improvisation und 4. Mal sehen, was rauskommt! Gemessen an den heroischen Rationalitätsanforderungen der präskriptiven Entscheidungstheorie sieht das wenig aus. Doch eine Rest-Rationalität des Entscheidens vermag das Coping zu realisieren – und damit mehr, als wenn man in solchen Situationen Planung versucht und mit hoher Wahrscheinlichkeit grandios gescheitert wäre.

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